15.09.2017

Caritassonntag 2017

Zusammen sind wir Heimat!   Wu bischd du dehäm? Vielleicht wurde Ihnen auch schon Mal diese Frage gestellt: Wu bischd du dehäm?

Nicht alle Menschen wissen darauf gleich eine Antwort. Es ist etwas anderes als wenn jemand unser fragt: Wu wonschd du, oder wem geherschd du? Darauf lässt sich relativ schnell antworten: In der und der Straße, ich geher de Müller Emma und ehrm Schorsch. Wu bischd du dehäm, die Antwort darauf ist komplizierter.

Heimat ist mehr als Wohnung und jemandes Kindsein. Heimat muss nicht meine Wohnung und meine Herkunftsfamilie sein. Heimat ist dort, wo ich Liebe, Geborgenheit, Verständnis erfahre, wo ich mich aufgehoben weiß, wo ich nicht gleich verstoßen werde, wenn ich mal etwas falsch mache, wo ich mich an einen Menschen anlehnen kann, mich bei ihm aussprechen kann, wenn die Stürme des Lebens über mich hereinbrechen. Heimat ist mehr und anspruchsvoller als Wohnung und einfach jemandes Kind- sein.

Als ich die Pfarrei Maikammer übernommen habe, war es für mich schön von der Umfrage zu lesen, die in den einzelnen Gemeinden gemacht wurde. Was ist den Gemeindemitgliedern wichtig für die Zukunft? Wurde da gefragt. Und bei allen Gemeinden kam heraus: Dass die Menschen dort eine Heimat haben. Ich erinnerte mich an meinen verstorbenen Lehrer in geistlichen Dingen, unseren ehemaligen Weihbischof Ernst Gutting, der schon vor Jahrzehnten prophezeit hat: Wer in Zukunft keine Heimat hat in der Kirche, wird nicht mehr da sein. Ich denke, da hatte und hat er recht. Ein wichtiges Kriterium, wie Strukturen in Kirchens bei uns aussehen müssen.

Nun, dass Heimat haben ein wichtiges Kennzeichen von Christen ist, kommt nicht von ungefähr. Es hat für mich seine letzte Begründung in unserem Gott. Ein Heimat suchender Gott, wie es bei Johannes heißt. Aber: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. In diesem Satz gleich am Anfang des Johannesevangeliums wurde das Schicksal des in Jesus Mensch gewordenen Gottes angesichts der Kreuzigung zusammen gefasst. Die ganze Tragik der Menschheit in einem Satz. Gott findet keine Heimat in seiner eigenen Wohnung. Und dennoch: Dieser Gott gibt nicht auf, geht dem Verlorenen nach, setzt alles daran, dass seine Menschen bei ihm Heimat haben. Diese Botschaft wachzuhalten, u.a. auch dazu ist Kirche da und unersetzbar. Weil wir Menschen bei Gott Heimat haben können, wenn wir es denn auch wirklich wollen, deshalb muss auch seine Kirche den Menschen Heimat sein.

Ich staune immer wieder, dass auch Menschen, die jetzt nicht mehr immer in die Kirche kommen, davon noch eine Ahnung haben. Vielleicht hat da eine positive Kirchenerfahrung in Kindheit und Jugend doch ihre Spuren hinterlassen, haben die Geschichten Jesu von dem nach Heimat suchenden Gott doch irgendwie Wurzel geschlagen. Es waren und sind ja gerade auch viele Kirchenmitglieder, die sich in der Flüchtlingsfrage engagiert haben und engagieren, um den aus ihrer Heimat Geflohenen eine neue Heimat zu bieten. Was in manchen Fällen wahrlich nicht immer einfach ist.

Was Jesus uns im heutigen Evangelium klar macht: Ohne Vergebungsbereitschaft gibt es keine Heimat. Wer nicht zur Vergebung bereit ist, sie sich vielleicht sehr gerne gewähren lässt, aber selbst nicht vergeben will, der zerstört Gemeinschaft, der zerstört Heimat. Das ist eine gewaltige Herausforderung.

Ja, wo bischd du dehäm? Wo und wie können wir Menschen eine Heimat anbieten? Eine Kernfrage für die Zukunft unserer Gemeinden. Stellen wir uns gemeinsam dieser Frage.