Diözesanverband Speyer

Interaktiv
Treten Sie mit uns in Kontakt

27.04.2019

Ostern 2019

Bin ich froh, dass euch gibt, bin ich froh, dass es euch gibt, liebe Frauen. Gerade angesichts des heutigen Evangeliums möchte ich das einfach auch mal ganz deutlich sagen: Ich bin so froh, dass es euch gibt. Vielleicht sagen jetzt einige von euch: Diese Sprüche kennen wir. Die haben wir schon oft gehört von einem wie Ihnen.

Wir sind anscheinend immer noch gut zum Waschen, Kochen und Bügeln und den Haushalt in Schuss halten. Nur: Im Gegensatz zu früher dürfen das viele von uns zu ihrer Berufstätigkeit noch dazu machen.

O.K., liebe Frauen, ihr habt recht. Heute möchte ich freilich von Ostern her auf euch zukommen. Und euch sagen: Ohne euch könnten wir Ostern wahrscheinlich gar nicht feiern. Ihr wart es, für die die Geschichte mit der Kreuzigung nicht zu Ende war. Eure Liebe hat euch dazu bewegt, das Wenige zu tun, das ihr noch tun konntet: Ihr habt Salben zubereitet, selbst zubereitet, um damit den Leichnam Jesu zu salben. Männer lachten vielleicht darüber und sagen: Tot ist tot, kümmert euch lieber um eure Hausarbeit anstatt Salben zu rühren.

Mit dem Wenigen macht ihr euch auf und geht zum Grab und rennt auch nicht gleich wieder weg, nachdem Unerwartetes geschehen war. Ihr geht ins Grab hinein, da der Stein schon weggewälzt war. Bei euch hatten die Engel, die Boten Gottes und damit Gott selbst, eine Chance. Bei euch konnten sie landen mit ihrer Botschaft von der Auferstehung. Es war nicht schwer, euch an die Worte Jesu zu erinnern, mit denen er selbst seine Auferstehung angekündigt hatte. Auch den Jüngern hatte er es dreimal gesagt, dreimal, aber die hatten zu diesem Zeitpunkt andere Sorgen, z.B. wer von ihnen der Größte sei.

Und ihr hattet es nicht leicht, liebe Frauen, es den Männern zu vermitteln, was ihr erlebt hattet. Die hielten das alles für Geschwätz. Ich bin euch dankbar, ihr Frauen, dass ihr zu den Männern zurückgekehrt seid und ihnen die frohe Botschaft ausgerichtet habt, obwohl ihr euch wahrscheinlich schon denken konntet, wie deren Reaktion ausfällt. Ich danke euch, dass ihr diese so wichtige Botschaft nicht für euch behalten habt. Ihr seid Zeugen eines neuen Lebens, eines Lebens, das nicht mehr gekreuzigt werden kann, eines ewigen Lebens. Euch verdanke ich es, dass ich inzwischen schon einige hundert Mal Menschen auf dem Friedhof sagen konnte: Bei aller Trauer wünsche ich Ihnen und euch, den Angehörigen auch die Hoffnung, dass der oder die Verstorbene bei Gott leben darf und es von daher ein Wiedersehen geben wird. Jesus ist der Grund dieser meiner Hoffnung. Ihr, liebe Angehörige, braucht es – Gott sei Dank – nicht bei zweifellos gut gemeinten, aber im letzten doch auch Worten ohne Hoffnung für den Verstorbenen bewenden zu lassen wie: Er/ Sie wird in Ihren Herzen weiterleben, oder er ist erlöst oder sie hat ein hohes Alter erreicht, sprich sie war über 80. Solche Worte sind gut gemeint, helfen aber dem oder der Verstorbenen nicht. Ich habe selbst die Kraft der Auferstehungsworte im letzten Jahr nach dem frühen unerwarteten Tod meines Bruders als so tröstlich erfahren. Wohl nicht, ohne euch, ihr Frauen, ihr ersten Botinnen der Auferstehung, des ewigen Lebens.

Trotzdem habt ihr es auch in der Kirche nicht leicht bis in unsere Zeit. Bleibt dennoch dran, unsere Kirche ist noch eine von Männern geleitete Frauenkirche. Vom 11-.18 Mai wurde deshalb zum Kirchenstreik der Frauen aufgerufen. Ich denke, das kann ein Zeichen sein, mehr aber nicht, eine Woche kriegen die Männer rum. Erinnert diese vielmehr daran als Botinnen ewigen Lebens daran, sagt es immer neu, worum es Jesus ging: um die Liebe, die Lebenskraft ewigen Lebens. Auch Macht muss bei Jesus im Dienst der Liebe stehen. Daher gehen Machtmissbrauch und sonstiger Missbrauch bei diesem Gott ins Leere, ja treffen ihn zutiefst in seinem väterlich- mütterlichen Herzen, wenn Menschenkinder dadurch verletzt oder gar zerstört werden. Viele von euch haben Kinder geboren, neun Monate unter ihrem Herzen getragen und Verantwortung für das werdende Leben übernommen. Ostern zeigt mir: Es ist gut, wenn Frauen mehr Mitspracherechte bekommen auch in der Kirche und eines Tages Ämter übernehmen können. Nur achtet dann darauf, dass ihr nicht einfach nur weitermacht, was Männer euch vorgemacht haben. Die Gefahr ist groß, wenn man erst einmal in entsprechenden Positionen ist.

Und das will ich am Ende nicht vergessen: Es ist ja nicht so, dass ihr in der Gesellschaft schon gleichberechtigt seid. Eure täglichen Hygieneartikel werden  weit mehr besteuert als Kaviar, Schnittblumen und Kunstgegenstände. Die Löhne sind selbst bei gleicher Arbeit in vielen Bereichen nicht die gleichen. Und die Hausarbeit ist oft immer noch Sache der Frauen. Ich könnte noch fortfahren. Aber das zu ändern möchte ich den anwesenden Männern ans Herz legen. Jetzt an Ostern, dem Fest der Auferstehung, bin ich erst einmal richtig froh, dass es euch gibt, liebe Frauen. Amen.

                                       Peter Nirmaier

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

mehrweniger

Adresse

KAB Speyer
Webergasse 11
67346 Speyer
Telefon: +49 6232 102376
Kontakt

Unterstützen Sie die KAB

Jede Spende hilft!

Unterstützen Sie die Projekte der KAB und stärken Sie die selbständige Vereinigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Mitglied werden

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.

Jetzt informieren