06.04.2021

Osterpredigt 2021

 

Mit wem oder auf was rechnen Sie noch in Zukunft? Scheint alles ein wenig verworren zur Zeit und z.T.widersprüchlich. Manche rechnen mit dem Schlimmsten. Manche lassen einfach alles auf sich zukommen, wir müssen es ohnehin nehmen, wie es kommt, sagen sie. Die meisten, scheint mir, spüren eine große Unsicherheit, wie wir sie selten in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.

Ja, schlimm diese Zeiten, in denen so vieles unsicher ist und wenige wissen, was sie von alledem halten sollen und wie es weitergeht. Die können dir an die Gesundheit gehen, wenn du nicht weißt, wo du morgen dran bist. Die seelische Inzidenz misst keiner.

Ja, mit wem oder auf was rechnen Sie noch in Zukunft?

Die meisten Jünger Jesu haben (vor)gestern noch mit gar nichts mehr gerechnet. Aus, vorbei. Der, auf den sie so viel Hoffnung gesetzt haben, jämmerlich am Kreuz gestorben. Tot, ins Grab gelegt. Bestattet mit allem, was ihn ausgemacht hat. Zurück bleiben Fragen Was sollte das alles? Kann man sich so täuschen? Antwort: Komm, wir machen da weiter, wo wir aufgehört haben, bevor wir ihn kennenlernten. Wenigstens das haben wir noch. Da können wir hin, jetzt wo alles aus den Fugen geraten ist. Wie viele von uns wären froh, wenn sie jetzt da weitermachen könnten, wo sie vor Corona aufgehört haben. Aber noch nicht einmal das ist sicher.

Haben Sie sowas vielleicht früher, vor Corona schon mal in abgeschwächter Form erlebt? Und es tat sich plötzlich Neues auf, womit Sie vorher niemals gerechnet hatten? Gab es schon einmal so etwas? Ich kann mich an Einiges erinnern, das so gelaufen ist in meinem Leben. Das gibt es, dass sich in dunklen Zeiten plötzlich von, weiß Gott woher, ein Licht auftut?

Jetzt hab ich fast schon alles verraten. Ostern zeigt mir: Rechne doch zumindest mal mit der Möglichkeit, dass sich auch von Gott her ein Licht auftun kann, wo wir mit unserer Weisheit und unseren Möglichkeiten am Ende sind. Rechnen wir, rechne ich noch damit, mit ihm? Dass er auch heute Neues schaffen kann und will. Ich sehe auch da eine Parallele zu den Jüngern damals: Drei Jahre mit Jesus unterwegs, der sie wohl täglich mit der Sphäre Gottes in Verbindung brachte. Aber trotzdem haben sie mit diesem Gott eigentlich nicht gerechnet in ihrem kleinen Leben. Von daher hatten sie auch mit Ostern nicht gerechnet, obwohl es ihnen Jesus dreimal vorausgesagt hatte. So blind kann man gegenüber Gott werden, nach weiß ich wie viel Jahren Religionsunterricht, Kirchgang, täglichem Gebet. Wer rechnet derzeit wirklich noch mit ihm? Ringt vielleicht mit ihm, wo er denn jetzt ist und wie er denkt, dass es weitergehen könnte. Um Gottesdienstzeiten und die fehlenden Gelder ringt man in unserer Kirche und Inzidenzen und ob man die Verbindung gleichgeschlechtlicher Menschen segnen kann. Aber spricht man dabei wirklich mit Gott? Er ist eben zugegebenermaßen nicht so leicht zu fassen, einzuordnen in unsere Gedankensysteme und Wünsche und Pläne. Rechnen wir damit, dass er uns vielleicht auf andere Gedanken bringen möchte, statt uns nur neue Rezepte zu liefern, wie wir auf so manchen falschen Wegen angenehm weitergehen können.

Mit Gott rechnen und mit ihm wirklich Tag für Tag intensiv zu leben, an ihm und mit ihm dran zu bleiben, auch wenn es nicht so läuft wie ich mir das vorstelle, ist eine anspruchsvolle Sache. Da brauche ich nur auf die Bergpredigt zu schauen. Und dennoch doch auch immer wieder die Ahnung unter uns Menschen und in uns selbst: Ja, so müsste es eigentlich sein. So müsste es Kirche eigentlich vormachen, Zeichen und Zeugin sein von dem Leben, das in den Augen Gottes lebenswert ist und das trotz Tod.

Ostern 2021 heißt für mich: Fasse von Neuem den Mut, mit Gott zu rechnen. Nicht nur mit den Wissenschaftlern und Politikern. Trau ihm zu, dass er Neues schaffen kann, wo wir sagen: Da ist nichts zu machen. Aus vorbei. Tot. Trau ihm zu, etwas Neues schaffen zu können. Trau es ihm zu. Wenigstens du oder ihr. Das muss nicht mehrheitsfähig sein, war es vielleicht auch noch nie. Aber trau es ihm zu. Und trau ihm zu, dass er sogar dich dazu brauchen will und kann, wenn es darum geht, Neues zu schaffen. Ich wünsche uns gesegnete, für unser Leben und Zusammenleben und für unser Leben mit Gott fruchtbare Ostertage inmitten des Karsamstags derzeitiger Geschichte.

 

 

 

 

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