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09.06.2019

Pfingsten 2019

An Pfingsten sehe ich rot. An keinem Hochfest fällt die liturgische Farbe gleich so auf wie an Pfingsten, eben das Rot. Von Feuerzungen war in der Lesung die Rede. Sie sind ohne das Rot nicht zu denken.

Ich sehe rot. Ein bisschen Abwechslung? Denn ansonsten sehen viele schwarz. Und da hätten wir auch allen Grund dazu, selbst wenn wir an die Einrichtung denken, deren Geburtstag wir heute feiern: die Kirche. Schauen Sie sich das Durchschnittsalter hier an. Wie lange geht das noch gut? Wie lange geht das noch gut, dass wir Menschen finden in Kirchen, die mitmachen in dieser Gemeinschaft, sich aktiv einbringen ins Kirchen-, sprich Gemeindeleben. Schon bei den letzten Wahlen war es knapp, wird das beim nächsten Mal im nächsten Jahr noch gut gehen? Viele sehen schwarz. Und wenn noch einmal eine Missbrauchsgeschichte kommt oder die Bischöfe selbst so ungut miteinander umgehen, dann droht schnell ein weiteres Bergab. Ich sehe schwarz. Und es regt sich kaum noch jemand auf. Wir in Deutschland haben das Glück, dass wir uns noch über Wasser halten können mit den im Vergleich zu anderen Ländern hohen finanziellen Mitteln. Alle paar Meter, in Deutschland 27 mal, machen sich in Ordinariaten eine Unmenge Menschen Gedanken, wie wir es schaffen, dass wir in absehbarer Zeit mehr rot denn schwarz sehen können. Und sie entwerfen ein Papier nach dem anderen, damit dieses geschieht.

Nun, wir sind in guter biblischer Gesellschaft. Pfingsten beginnt damit, dass die wenigen, die Jesus am letzten Abend noch bei sich hatte, auch nur noch schwarz sehen. Sogar so, dass sie sich verschanzen, aus Angst vor den Juden heißt es. Sie schließen sich ein, lassen niemanden mehr an sich ran, geschweige denn, dass sie auf andere zugehen. Nachdem Jesus gestorben ist, sehen sie nur noch schwarz. Wir aber hatten auf ihn gehofft, sagen die Emmausjünger auf dem Heimweg, aber jetzt ist es vorbei. Im Gegenteil: Nicht nur unsere Hoffnungen sind dahin, auch unsere Zukunft ist aufs äußerste bedroht bis dahin, dass man auch uns den Garaus macht.

Ich sehe nur noch schwarz. Und bin froh, dass uns jedes Jahr Pfingsten geschenkt wird. Weil es da genau so war. Und das, was Jesus wollte, wäre ja auch sang- und klanglos untergegangen, wenn nicht jemand von außen eingegriffen hätte. Es bedurfte freilich schon eines Brausens und Sturmes, dass sich da bei den Jüngern etwas änderte. Auf sich alleine gestellt, hätten die Apostel den Laden dichtmachen können, etwas salopp gesagt. Gott selbst griff ein, dass sie wieder rot und nicht nur schwarz sehen konnten. Die Lebenskraft Gottes, sein Heiliger Geist war es, der diesen Umschwung möglich machte.

Und da sehe auch ich die einzige Chance für heute. Wenn wir nur noch verwalten, unser Geld, unsere Gebäude, unsere Strukturen bis hin in unsere Gemeinden, dann kann man nur noch schwarzsehen. Dann brauchen wir die weniger werdenden Kräfte nur noch, um, den Blick auf den Schreibtisch gesenkt, Konkursverwaltung zu betreiben.

Die pfingstlichen Bibeltexte ermutigen, das Rot wahrzunehmen, das Gott in diese Welt bringt. Und da kann es noch so schwarz aussehen, das ist für ihn kein Hindernis. Gott weiß um uns, er weiß darum, dass wir in Gefahr stehen, sein Werk, das sich Kirche nennt, allein an uns zu reißen, gemäß dem Motto: Wir machen das schon. Was muss dieser Gott für eine Kraft in sich haben, dass er es damals mit diesem armseligen Haufen Jünger weiter versuchte. Und wenn ich in die Kirchengeschichte schaue, hat sich das immer wiederholt. Als man menschlich schwarzsehen musste, hat Gott oft in einfachen Menschen, Frauen und Männern, Jugendlichen neues Feuer entfacht. Derzeit, wer von uns Deutschen hätte das jemals gedacht, gibt es solches sogar in Rom. Pfingsten ist ein Fest der Ermutigung, den Blick nicht nur auf unsere Möglichkeiten zu richten, sondern uns zu erinnern, dass von außen eine Kraft kommen kann, die völlig Unerwartetes wirkt. Schon, dass Menschen von einem drei und dreißig Jährigen, irdisch gesehen kläglich gescheiterten Menschen, plötzlich sagen können: Er ist der Herr, wie es in der Lesung hieß. Ja, es gibt sie auch heute, auch in unseren kleiner gewordenen Gemeinden, da spürst du: Sie anerkennen Jesus als den Herrn. Um ihn dreht sich ihr Denken und Tun und sie suchen zu unterscheiden zwischen ihren Gedanken und dem Heiligen Geist und tun, oft ganz bescheiden, das, was sie tun können. Ich sehe das Rot auch in allen, die ihre Gaben einsetzen, damit sie damit anderen nützen, wie es auch in der Lesung hieß. Nächstenliebe als Teil ihrer Selbstverwirklichung. Ich sehe das Rot auch im Blick auf die Vielen, die heute für diesen ihren Herrn ihr Leben geben. Noch nie waren es so viele wie heute. Es ist gut, dass wir die rote Farbe tragen, wenn wir ihrer, der Märtyrer, gedenken. Hier ist rot pur, Liebe pur, denn mehr als das Leben können Menschen nicht geben. Nehmen wir unsere Wirklichkeit wahr, wie sie ist, liebe Mitchristen, aber sehen wir nicht nur schwarz, um Gottes willen: Sieh auch rot, auch in dir.

 

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