Diözesanverband Speyer

Interaktiv
Treten Sie mit uns in Kontakt

06.10.2019

Predigt zum Tag der menschenwürdigen Arbeit

„Herr, stärke unseren Glauben!“ Ich finde sie klasse, unsere Apostel. In der Begleitung des Jesus von Nazareth spüren sie: Eigentlich ist in uns noch Potential. Da ist noch nicht alles ausgeschöpft, da ist noch etwas möglich.

Großartig, wenn Menschen das erkennen und aussprechen können. Und sich nicht dauernd erschöpfen in Sätzen wie: „So wie es ist, ist es gut.“ Oder „Es ist nun mal nicht anders. Müssen wir hinnehmen, so wie es ist. In unserem Alter fangen wir nichts mehr Neues an.“ Manchmal ist eine solche Haltung gut und sogar notwendig, manchmal hemmt sie auch, blockiert, lässt nicht mehr zum Vorschein kommen, was noch alles Gutes in Menschen steckt.

Und Jesus? Er schickt seine scheinbar schwächelnden Jünger nicht weg. Er greift das auf, worum die Apostel bitten und ermutigt sie: „Ihr habt recht, euer Glaube ist schwach. Aber lasst euch dadurch nicht lähmen.“ In seiner unnachahmlichen Bildersprache mit viel Humor stellt Jesus den Aposteln vor Augen: Schon ein bißchen Glauben, ein bißchen sich Verwurzeln in den Vater- Gott versetzt Maulbeerfeigenbäume. Ermöglicht scheinbar Unmögliches. Da müssen Dinge nicht beim Alten bleiben, sondern dürfen anderer Stelle neu aufblühen.“

Ich wünsche uns etwas von den Aposteln und von Jesus, liebe Mitchristen. Dass wir nicht zu schnell sagen: Da können wir doch nichts mehr machen. Lassen wir es gut sein. Und machen wir es uns gemütlich, solange es eben noch geht. Ich wünsche uns, dass uns das, was Jesus uns vorgelebt und zugesagt hat, noch ergreifen kann, dass dieses sich Verwurzeln in den Gott, den Jesus Vater nennt, uns erkennen lässt: Mit diesem Jesus und damit mit seinem Gott ist noch mehr drin. Da lässt sich noch etwas bewegen zum Neuen, zum Guten hin. Da muss nicht alles bleiben, wie es ist. Da sind neue Denkweisen und Handlungsmöglichkeit offen.

Und das auch im Bereich der Arbeitswelt. Die Gewerkschaften mussten entdecken: Es ist möglich, sich auf den Weg zu machen zu einer menschen-würdigeren Arbeitswelt zu machen. Und führten den Tag der menschenwürdigen Arbeit ein, jährlich am 7. Oktober. Christliche Arbeitnehmerorganisationen haben sich ein paar Jahre später eingeklinkt. Von Jesus her wären wir ermächtigt gewesen, da vorauszugehen. Indem Jesus Gott als Vater in den Mittelpunkt stellt, relativiert er vieles andere, was sich m.E. widerspiegeln darf und muss im Zusammenhang mit unserem Thema. Z.B.:

Das Thema Geld: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Wie viel Ungutes geschieht, wenn sich fast alles um das Geld, um Kapital, um den Profit dreht? Dann steigt die Armen mit allem, was das mit sich bringt; es steigt aber auch die Zahl Reichen? Wie deuten wir das im Licht der Botschaft Jesu? Welchen konkreten Maßnahmen leiten wir daraus ab. Was heißt das im Thema Leiharbeit? Was bedeutet das für das Themenfeld Altersarmut?

Oder nehmen wir das Thema „Macht“. Ihr wisst, dass die Mächtigen ihre Macht missbrauchen, stellt Jesus fest. M.E. ist nicht Macht an sich das Problem. Jeder hat sie in unterschiedlicher Weise, an unterschiedlichen Orten, in unterschiedlicher Intensität. Die Frage ist: Wird Macht gebraucht zum Dienst an dem Menschen oder wird sie missbraucht. Konzerne z.B. haben heute eine große Macht. Die Frage: Wie gehen sie damit um im Verhältnis zu ihren Mitarbeitern?

Oder nehmen wir das Thema „Menschenwürde“. Jesus wird zornig, wenn man Menschen ihre Würde abspricht, sei es den Kranken, den Notleidenden, denen, die auf Abwege geraten sind, denen, denen das Lebensnotwendige abgesprochen wird, den Frauen und Kindern. Er lässt diese alle zu sich kommen. Was heißt das konkret? Wie viel ist uns die Arbeit im Bereich Krankenbetreung wert? Wie können wir da Arbeit gestalten, damit der Gesundheitsminister nicht durch die halbe Welt reisen muss, um Arbeitskräfte anzuwerben?  Was lassen wir uns Erziehungsarbeit kosten? Welche Arbeit wird bezahlt, welche nicht? Ist das gut so, wie es ist oder brauchen wir angesichts sinkendem Bedarf an Erwerbsarbeit eine neue Sicht auf das Thema Arbeit überhaupt? Einschließlich neuer Ideen zum Thema Lohn? Wie steht es mit Kinderarbeit?

Wie steht es mit prekärer Arbeit? Wenn ich mit dem Lohn nicht mehr den Unterhalt meiner Familie bestreiten kann? Wenn ich gerade als junger Menschen dauernd nur Zeitarbeitsverträge bekomme? Wie soll ich da Familie gründen?

Ich denke da an das Thema Angst: Jesus nimmt vielen Menschen Angst. So hilfreich sie in Situationen sein kann, kann sie auch sehr zerstörend wirken. Ich denke da an die jetzt wohl wieder zunehmende Angst angesichts der Wirtschaftsentwicklung. Werde ich meinen Arbeitsplatz behalten? Wie kann es weitergehen in der Automobilbranche angesichts von Digitalisierung, Umstieg in die E-Mobilität und Umweltschutz? Hier von einer kleinen Delle zu sprechen, ist für mich fast zynisch und unmenschlich, wenn der Abbau von tausenden Arbeitsplätzen angekündigt und wohl auch durchgeführt wird und ich weiß: Da stehen Menschen dahinter, oft mit Familien.

Menschenwürdige Arbeitswelt. Jedem und jeder fällt da wohl etwas anderes ein, aus eigener Erfahrung oder der von Kindern, Enkelkindern, Freunden, Bekannten, Nachbarn.

Ich konnte nur einige Bereiche anklingen lassen, in denen menschenwürdige Arbeit eine Herausforderung darstellt. Sicher, es gibt in wenigen Bereichen Patentlösungen: So müssen wir es machen, und dann haben wir das Paradies auf Erden, Es braucht den Einsatz Einzelner, Gruppen, Verbänden, es braucht den Dialog, das auf Gemeinwohl ausgerichtete Gespräch, um eine menschenwürdigere Lösung zu finden. Die Mühsal, die das mit sich bringt, möge uns nicht verleiten, die Hände in den Schoß zu legen. „Herr, stärke unseren Glauben“. Es steckt viel Potential in uns, mehr als wir denken. Mich bewegt, und damit möchte ich schließen, das, was junge Menschen 2015 als ihre Vision einer menschenwürdigeren Welt zusammengetragen haben:

Wir leben in einer Welt,...

-       in der wir fair entlohnt werden,

-       In der wir Zeit haben, gemeinsam mit anderen Menschen unser Leben zu gestalten,

-       In der unsere Gesundheit wichtiger ist als der Profit

-       In der wir unser Leben langfristig planen und gestalten können

-       In der wir unseren Arbeitsplatz und Betrieb mitgestalten

-       In der wir unsere Gesellschaft mitgestalten

-       In der wir Wertschätzung und Akzeptanz erfahren

-       In der wir gemäß unserer Werte leben

-       In der wir entfalten können, was in uns steckt

-       In der wir gleiche Möglichkeiten und einen wirklich gerechten Anteil an den Reichtümern haben.

Mögen die jungen Menschen viele Verbündete haben und finden.

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

mehrweniger

Adresse

KAB Speyer
Webergasse 11
67346 Speyer
Telefon: +49 6232 102376
Kontakt

Unterstützen Sie die KAB

Jede Spende hilft!

Unterstützen Sie die Projekte der KAB und stärken Sie die selbständige Vereinigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Mitglied werden

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.

Jetzt informieren